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Auslöser der Südtiroler Freiheitskämpfe bis zur Autonomie

Nach dem Pariser Abkommen zwischen Italien und Österreich war Italien verpflichtet, eine Autonomie für die Südtiroler in der neuen italienischen Verfassung rechtlich zu schaffen. Aber Ministerpräsident Alcide Degasperi versuchte die geplante Autonomie auf das Trentino auszudehnen und so die in Paris eingegangenen Verpflichtungen zur Erfüllung alter Trentiner Autonomiewünsche ausnützen wollte. Mit dieser Aktion wollte er eine einheitliche autonome Region schaffen und die ladinische Bevölkerung aufsaugen, sowie die deutschsprachigen Südtiroler mit der Mehrheit der italienischen Trentiner an die Wand zu drücken. Vorschläge der neu gegründeten Edelweißpartei, die sogenannte SVP, wurden in Rom und Trient nicht berücksichtigt. Entgegen den Bestimmungen des Pariser Abkommens wurden zunächst zur Ausarbeitung eines Autonomiestatutes keine Vertreter der Südtiroler herangezogen. Erst nach Inkrafttreten der neuen italienischen Verfassung am 1. Jänner 1948 konnten die Proteste noch einige Abänderungen im Autonomiestatut bewirken.

Völlig unzureichend war das Ergebnis aller Bemühungen um die zugesicherte Autonomie im inhaltlichen Bereich. Obwohl es zwei Landtage gab, wurde der größte Teil der Kompetenzen auf die Regionalregierung, in dem die Südtiroler sich in der Minderheit befanden und so beliebend überstimmt werden konnten, übertragen. Darum konnte von einer Südtiroler Autonomie keine Rede sein. Dazu kommt noch, dass verschiedene Punkte des Pariser Abkommens nicht berücksichtigt wurden, wie z.B.: die Gleichstellung der deutschen Sprache, wirtschaftliche Förderungsmaßnahmen oder die Einstellung der Südtiroler in öffentliche Ämter. Auch das Autonomiestatut wurde zum geringen Teil verwirklicht, weil entsprechende Durchführungsbestimmungen nicht erlassen wurden. So konnte die Provinz Bozen die ihr zustehenden Kompetenzen auf dem Gebiet des Schulwesens nie übernehmen. Ähnlich war es auf dem wirtschaftlichen Sektor, etwa in Bezug auf die Landwirtschaft. Die Versuche der Südtiroler wenigstens die geringen Möglichkeiten der Selbstverwaltung, die das Autonomiestatut der Provinz Bozen einräumte, scheitere an der starren Haltung der konservativen Trentiner Christdemokraten (DC). So schien es, dass die Tiroler Minderheit auch im neuen, demokratischen Italien trotz internationaler Verträge und einer verfassungsmäßigen garantierten Autonomie aufs Äußerste gefährdet. In vielen Belangen wurde auch die faschistische Politik fortgesetzt. So förderte der Staat weiter kräftig die Zuwanderung aus Süditalien, die Südtiroler hatten kaum eine Chance im öffentlichen Dienst Anstellung zu finden oder wurden im Wohnbau und bei der Wohnungsvergabe extrem benachteiligt. Und von einer Gleichberechtigung der deutschen Sprache konnte keine Rede sein. Im Alltag waren mit Schikanen und amtlichen Maßnahmen gegen die Interessen der deutschen und ladinischen Volksgruppen eher die Regel als die Ausnahme. Sogar mussten die Südtiroler hinnehmen, dass Ex-Faschisten als einflussreiche Amtsträger wieder auftauchten.
Die Nichterfüllung des Pariser Vertrages ließ in Südtirol und in Österreich den Ruf nach Selbstbestimmung wieder laut werden. So spitzte sich die Lage zu. Die ersten demonstrativen Sprengstoffanschläge im September 1956 und im Jänner 1957, die für einige junge Südtiroler Gefängnis bedeuteten, waren die äußeren Zeichen gegenüber der italienischen Regierung. Im Jahre 1955 konnte sich Österreich, das nun den Staatsvertrag unterzeichnet hatte uns somit frei war, stärker für die Durchführung des Pariser Abkommens einsetzen. In Südtirol rückten neue Männer an die Spitze der SVP, die bereit waren, eine härtere Gangart einzuschlagen. Unter Dr. Silvinius Magnago rief die Südtiroler Volkspartei für den 17. November 1957 zu einer Großkundgebung auf Schloss Sigmundskron auf, an der 35.000 Südtiroler teilnahmen. Zuerst war die Parole „Los von Rom“, welche dann durch unbekannterweise „Los von Trient“ abgeändert wurde.
Nach dieser Großkundgebung auf Sigmundskron reichten am 4. Februar 1958 die Abgeordneten der Südtiroler Volkspartei im römischen Parlament einen Gesetzesentwurf zur Aufhebung der bisherigen Region Trentino Etschland und zur Schaffung einer „Region Südtirol“ ein. Jedoch die italienische Regierung zeigte nicht die geringste Bereitschaft zum Einlenken, im Gegenteil, sie verschärfte sogar die Situation durch neue Maßnahmen zur Einschränkung des bestehenden Autonomiestatutes. So wurden im Jänner 1959 Durchführungsbestimmungen erlassen, mit denen der Provinz jeder Einfluss auf die Wohnbauprogramme in Südtirol und auf die Wohnungsvergabe entzogen wurde. Dies führte zu einem demonstrativen Auszug der Südtiroler Vertreter aus der Regionalregierung.
Bei den Südtirolern entstand wieder einmal das Gefühl der Unfreiheit, der Unterdrückung und der Hoffnungslosigkeit. Aus nichtigen Anlässen kam es zu Prozessen und Strafen wegen „Beleidigung der italienischen Nation“. Es war die Zeit, in der man vor Gericht kam, wenn man die Fensterläden rot-weiß streichen ließ. Die Behördenwillkür nahm unerträgliche Ausmaße an. Wenn dies die Südtiroler Abgeordneten im römischen Parlament darauf hinwiesen und die Einhaltung des Pariser Abkommens forderten, wurden sie von den Zwischenrufen und Sprechchören „Siamo in Italia, siamo in Italia“ niedergeschrien. Gleichzeitig versandeten die österreichischen Verhandlungen mit Italien, weil diese sie immer nur als unverbindliche „Gespräche“ betrachteten, da nach ihrer Meinung das Gruber-Degasperi-Abkommen ohnehin erfüllt sei und es nichts zu verhandeln gäbe. Auch eine Initiative des Europarates blieb ohne Ergebnisse, darum muss man diese Fakten berücksichtigen und ihre psychologische Wirkung auf die Südtiroler Bevölkerung bedenken, wenn man die Ergebnisse der folgenden Jahre verstehen will. Immer weniger glaubten an ein Nachgeben Italiens, immer mehr forderten die Anrufung internationaler Gremien zur Durchsetzung des Selbstbestimmungsrechts oder zumindest der vollständigen Autonomie für Südtirol.
Erstmals wandte sich Österreich an die UNO-Vollversammlung im September 1959 und brachte die Missstände in Südtirol zur Sprache. Durch einen Resolutionsbeschluss der Vereinten Nationen am 31. Oktober 1960 war Italien verpflichtet, mit Österreich über Autonomie für Südtirol zu verhandeln. Leider brachte bereits das erste Treffen der beiden Außenminister am 27. und 28. Jänner 1961 in Mailand ein Scheitern der Verhandlungen. Dieses Scheitern kündigte die demonstrative Sprengung von Symbolen der faschistischen Unterdrückung an, sodass die Südtiroler Bevölkerung eine weitere Missachtung ihrer Rechte nicht hinnehmen würden. Die folgenden Gespräche von Politikern und Experten, die in der Autonomiefrage keine Fortschritte brachten, wurden von Anschlägen begleitet, die ihren Höhepunkt in der berühmt gewordenen „Feuernacht“ erreichte. In dieser Nacht zum 12. Juni krachte es in ganz Südtirol, nachdem vorher am Abend des Herz-Jesu- Festes, traditionsgemäß die Bergfeuer abgebrannt worden waren. Die Anschläge waren nur auf die Hochspannungsleitungen gerichtet, sodass für die oberitalienische Industrie und in Bozen die Finsternis herrschte.
Am 11. Juni kam es zu weiteren Anschlägen, jedoch hatte der italienische Staat Südtirol in ein wahres Heerlager verwandelt. Es wurden Hausdurchsuchungen und Massenverhaftungen durchgeführt. Das rücksichtslose Vorgehen der Polizei und Militäreinheiten erregte allgemein Furcht und Schrecken. Zwei völlig unbeteiligte Südtiroler kamen durch Schüsse von Soldaten ums Leben. Raffinierte Verhörmethoden und brutale Folterungen von Aktivisten taten das Übrige, sodass im Juli tatsächlich ein Großteil der Attentäter überführt werden konnten.
Das Aufkommen der unmenschlichen Gewalt des Staates gegenüber der Bevölkerung wurde stets geleugnet. Doch sogar als der 28jährige Franz Höfler und der 42 Jahre alte Anton Gostner im Gefängnis starben, leugneten italienische Politiker die Möglichkeit gesetzwidrigen Methoden oder versuchten das Vorgehen zu bagatellisieren.
So unterschiedlich die Anschläge und bewaffneten Aktionen der späteren 60er Jahre beurteilt werden können, von den Anschlägen des Jahres 1961 steht fest, dass sie „einen bedeutenden Beitrag zur Erreichung einer besseren Autonomie für Südtiroler darstellen“, wie es Landeshauptmann Dr. Silvius Magnago im Oktober 1976 auf der SVP-Landesversammlung ausdrückte. Tatsächlich entschloss sich die italienische Regierung kurz nach der „Feuernacht“ und der Attentatwelle vom 11. Juli 1961 zu einer grundsätzlichen Änderung ihrer Politik.
Also man wollte verhandeln, aber nicht mit den Österreichern, sondern mit den Südtirolern selbst. Es wurde eine parlamentarische Kommission eingesetzt, in der 11 Italiener und 8 Südtiroler saßen und deshalb als 19. Kommission in die Geschichte einging.
Am 13. September 1961 begann die Kommission in Rom mit ihrer Arbeit. In den folgenden drei Jahren waren die jeweils erzielten Ergebnisse der 19. Kommission auch dir Grundlage zwischen Italien und Österreich, die auf verschiedenen Ebenen wieder aufgenommen wurden. Nachdem 1964 die Substanz eines sogenannten „Pakets“ autonomer Rechte für Südtirol erarbeitet war, ging es seither um die internationale Absicherung des Ergebnisses und das Vorgehen bei der Verwirklichung der Vereinbarung. Darüf wurde ein Oberrationskalender aufgestellt, an dessen Ende eine „Streitabschlusserklärung“ Österreichs stehen sollte.
Über dieses Paket wurde auf der Landesversammlung vom 22. November 1969 abgestimmt und fiel dementsprechend knapp aus. Von den 1104 anwesenden Stimmberechtigten sprachen sich 583 für die Annahme aus und 492 dagegen. 29 Stimmberechtigte enthielten sich der Stimme und gaben weiße Zettel ab.
Nach der Klärung letzter offener Fragen und der Ausarbeitung von Erläuterungen schlossen die beiden Außenminister Waldheim und Moro am 30. November 1969 die österreichisch-italienischen Verhandlungen über die Erweiterung der Südtiroler Autonomie. Das „Paket“, das Vereinbarungen zu rund 130 Materien enthält, fand im Verfassungsgesetz vom 10. November 1971 und im neuen Autonomiestatut vom 31. August 1972 seinen Niederschlag.